Matthias, du bist seit 2016 Teamarzt der Falcons und warst schon vorher im Nürnberger Profibasketball engagiert. Wie kam es dazu?
MB: Ich bin ursprünglich aus Bamberg und mit Basketball groß geworden. Über mehrere Jahre war ich im Profifußball tätig. Als der Nürnberger Basketball Club 2011 einen Teamarzt suchte, war es naheliegend, mich auch hier zu engagieren. Durch das sehr gute Verhältnis zu Ralph Junge haben wir dann die Falcons auch beim Neustart unterstützt – und gehen nun ins zehnte gemeinsame Jahr.
In all den Jahren hast du viele Spieler kommen und gehen sehen. Ohne Namen zu nennen: Was war euer schwerwiegendster Fall?
MB: Für jeden Spieler ist in dem Moment, in dem er verletzt ist, seine eigene Verletzung der schwerwiegendste Fall. Das gilt folgerichtig auch für den Arzt – unabhängig davon, wie trivial eine Verletzung objektiv erscheinen mag. Entscheidend ist, dass der Spieler schnellstmöglich wieder fit wird und spielen kann. Einen konkreten Fall möchte ich daher nicht nennen.
Johannes, man sieht euch bei nahezu allen Heimspielen. Die meisten Verletzungen passieren erfahrungsgemäß jedoch unter der Woche im Training. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang Prävention?
JP: Prävention ist im Profisport essenziell. Deshalb stehen wir in engem Austausch mit dem Trainerteam inklusive Fitnesscoach, um unter anderem Trainingsabläufe abzustimmen. So können bestimmte Verletzungsmuster vermieden und das Risiko für die Spieler minimiert werden.
Im Falle einer Verletzung seid ihr jederzeit für Spieler und Coaches erreichbar. Eure Praxis ist hochmodern – ihr betreut aber auch Hobbysportler, korrekt?
JP: Das stimmt. Hobbysportlern können wir nahezu dasselbe Spektrum anbieten wie Profis – also eine Rundumversorgung von der internistischen Untersuchung über die Verletzungsbehandlung bis hin zur Sporttauglichkeitsuntersuchung.
Es kommen immer wieder Spieler aus den USA vom College nach Deutschland. Wie wird dort in sportmedizinischer Hinsicht gearbeitet?
MB: Meiner Meinung nach ist es sehr schwer, hier eine pauschale Beurteilung abzugeben. Allein in den USA gibt es von College zu College sehr unterschiedliche Ansätze und Methoden der medizinischen Betreuung – inklusive der jeweils beteiligten Fachbereiche und Zuständigkeiten.
Wie schätzt ihr die Entwicklung des Basketball-Standorts Nürnberg in den letzten zehn Jahren ein? Wo stehen die Falcons?
MB: Wenn man bedenkt, wo wir herkommen, ist das eine phänomenale Entwicklung – angefangen bei der wundervollen Halle, in der wir mittlerweile spielen. Ich hoffe für den Standort, die Fans und die Spieler, dass dieser Weg so weitergeht.
Was war euer Highlight in eurer Zeit als Teamärzte?
JP: Ganz klar die Saison 2018/2019 mit dem sportlichen Aufstieg – das war wirklich außergewöhnlich. Anfangs lief noch nicht alles rund, inklusive der Hallensperrung. Doch dann entwickelte sich ein Momentum und ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das etwas ganz Besonderes war. Es gab viele Spiele und Highlights, an die ich sehr gerne zurückdenke.